Diese Sommernacht war ein Traum

von Regina Wahl-Geiger, Penzberger Merkur (12.07.2018)

"Sommer-Nacht-Traum" nach ... Musik von Henry Purcell hieß das Konzert am Samstagabend im Gemeindezentrum Iffeldorf. Der Chor "capella vocale iffeldorf" unter der Leitung von Anne Voit-Isenberg präsentierte mit den Solistinnen Diana Fischer (Sopran) und Brigitte Lang (Mezzosopran) nicht nur die wunderschöne barocke Musik des englischen Komponisten, begleitet von Monika Jung (Violine), Helge Voit (Viola da Gamba) und Anne Voit-Isenberg am Cembalo. Der Reiz dieses "Sommerkonzerts durch vier Jahreszeiten" bestand vor allem in der frischen, liebevollen Inszenierung.
Es wurden Stücke aus verschiedenen Werken Purcells zu einem kleinen, unverstaubten und fröhlichen Gesamtbild verwoben. Allein diese Leistung ist in den höchsten Tönen zu loben. Und auch die Lockerheit, mit der alle Mitwirkenden nicht nur hervorragend sangen, sondern auch schauspielerisch tätig wurden.
Sehr einfallsreich und mit sparsamen Requisiten nahmen die Mitwirkenden das Publikum mit in die Jahreszeiten. Die ganz in Weiß gehaltene Bühne wurde vom Chor frühlingshaft geschmückt. Auf einer Schaukel sitzend sang Brigitte Lang als Hirte fröhlich vom bunten Herbst, nachdem zuvor ein wilder Sturm durch den Raum wehte und Blätter herumwirbelte, die eifrig mit einem Besen zusammengefegt wurden. Das Publikum bibberte sich durch den Winter und erlebte sogar eine Mondfinsternis. All diese liebevollen szenischen Details zusammen mit der wunderschönen Musik  verzauberten das Publikum. Der "Sommer-Nacht-Traum" war tatsächlich ein Sommernachtstraum.

Bekömmlich beschwingt: Das Ensemble "capella vocale" verzaubert Publikum in Iffeldorf

von Sabine Näher, Süddeutsche Zeitung (09.07.2018)

Endlich werden die Möglichkeiten des Turnhallen-Konzertsaals optimal genutzt: Aus zwei mit einem Brett verbundenen Turnringen wird unversehens eine Schaukel. Auf dieser, reich mit Blumen geschmückt, nimmt die Sängerin Brigitte Lang Platz und lässt ihre schön timbrierte, dunkel funkelnde Stimme entspannt schaukelnd durch den Raum fliegen.  Da kommt echtes Theaterfeeling auf [...].
Zu einem "Sommer-Nacht-Traum" hatte die capella vocale iffeldorf geladen. Das "s", das man unwillkürlich ergänzen möchte, fehlt wohl bewusst, um nicht an Mendelssohns Musik denken zu lassen. Denn Chorleiterin und Cembalistin Anne Voit-Isenberg hat die reichen Werke Henry Purcells geplündert, der Shakespeare schon 150 Jahre vor Mendelssohn vertont hat. Doch nicht nur in Purcells "Fairy Queen", auch in seiner "Dido and Aeneas", "King Arthur", "The Indian Queen" sowie "Welcome to all the Pleasures" ist Voit-Isenberg fündig geworden und hat für ihren Chor wie die beiden Solistinnen Diana Fischer (Sopran) und Brigitte Lang (Mezzosopran) daraus ein Best-of-Purcell zusammengestellt. Szenisch aufbereitet bot dieses quasi einen Opernabend im Taschenformat.
Das "Orchester" bestand aus Monika Jung (Violine), Helge Voit (Viola da Gamba) und Anne Voit-Isenberg am Cembalo. Beides - sowohl die variable Besetzung je nach Verfügbarkeit der Musiker wie die Kompilation aus mehreren Bühnenwerken zu einem neuen - entspricht den Gepflogenheiten der damaligen Zeit. Letzteres nannte man "pasticcio", also Pastete, was den Vorgang anschaulich beschreibt. Ob die Pastete schmeckt und bekömmlich ist, hängt von den einzelnen Ingredienzien und der Begabung des Kochs ab, diese stimmig zusammenzufügen. Beides war in Iffeldorf in hohem Maße gegeben. Sogar ein richtiges Bühnenbild hatte die capella vocale gebastelt, mit einfachsten Mitteln wurden tolle Effekte geschaffen. Im Hintergrund prangte ein riesiges Schiffssegel, hinter dem der Chor auch komplett verschwinden und aus dem Off singen konnte. Cocktailkleider und Sekt rosé im Glas stehen für den Frühling, Blumenpracht nebst Rotwein und Bier für den reifen Sommer. Laub, das eine Kinderschar höchst vergnügt ausstreut, für den Herbst; blau beleuchtete Plastikfolien nebst Wollmützen und Schals der Sänger für den Winter.
Die zwölf Sänger (sieben Frauen, fünf Männer) haben sichtlich Vergnügen an dem sprudelnden Ideenreichtum ihrer Chorleiterin, das sich aufs Publikum überträgt. Die Solistinnen, beide Mitglieder des Chores des Bayerischen Rundfunks, verzaubern das Publikum mit ihrem Gesang wie ihrem Spiel. Voit-Isenberg agiert routiniert-souverän am Cembalo. Und wenn der Chor singend im Saal ausschwärmt, schwärmt sie dirigierend mit. [...]
Der Abend sei quasi "der Trailer" zu einem großen Purcell-Projekt im nächsten Jahr, verkündet Voit-Isenberg dem begeisterten Publikum, das sich mit Ausdauer eine Zugabe erklatscht. Den Termin - 12. Oktober 2019 - "Dido and Aeneas" - könnte man sich vormerken.

Andächtige Stille in der Dunkelheit

von Franziska Seliger, Penzberger Merkur (28.03.2018)

[...] Zur feierlichen Eröffnung des prachtvollen Heiligen Grabes gab die "capella vocale iffeldorf" ein kleines Passionskonzert. Unter der Leitung von Anne Voit-Isenberg nahmen die Sänger die Zuhörer mit auf einen musikalischen Weg, der von der Stille der Fastenzeit in die tiefe Ruhe der Karwoche führte, wo aber trotz der Trauer das Licht des Grabes Christi Hoffnung verströmt. Unter dem Titel "Licht auf einem dunklen Weg" brachte der Chor überwiegend lateinische Werke aus dem 16. und17. Jahrhundert zu Gehör - unter anderem von William Byrd, Giovanni Croce oder Don Pedro de Cristo.
In der völlig dunklen Kirche, die Fenster waren mit schwarzen Tüchern verhängt, wirkte der andächtige Gesang der schwarz gewandeten Gestalten wie eine eigenwillige Form des Gebets, war voll sphärischer Tiefe, insbrünstiger Gläubigkeit und mystischer Verklärung. Da war das Kirchenschiff voll mit Gesang, und trotzdem herrschte eine tiefe Stille.
Dramaturgisch aufwendig inszeniert waren Auftritt und Abgang des Chores, der nach den ersten Gesängen vom Kirchenschiff hinauf zur Empore wechselte. Ohne die Sänger war der Blick nun frei auf das urplötzlich hell erleuchtete Grab mit seinen gleißenden Säulen, Blumen und Engeln. Während von oben die Töne erklangen, konnten sich die Zuhörer ganz auf den Anblick des Verstorbenen im Mittelpunkt des Bauwerks konzentrieren, denn bis auf das helle Grab herrschte auch weiterhin tiefe Dunkelheit im Gotteshaus. Nichts störte so die Wirkung des Gesangs, der immer wieder von kurzen Textpassagen unterbrochen wurde. In regelmäßigen Abständen hatte Wilko Ossoba an der Orgel seinen Einsatz. Mit dieser Königin der Instrumente setzte er Akzente, betonte und untermalte die festliche Atmosphäre im Raum und verlieh der choralen Andacht zusätzliche Tiefe.

Laienchor überzeugt mit Telemann

von Rainer Bannier, Tölzer Kurier (12.12.2017)

[...] Das Vokalensemble "capella vocale iffeldorf" hat sein sehr gut besuchtes Adventskonzert in der Lenggrieser evangelischen Waldkirche ausschließlich dem Bach-Zeitgenossen Telemann gewidmet und damit einen Beitrag dazu geleistet, diesen "Vielschreiber" unter den Komponisten vom Vorwurf einer oberflächlichen, allzu gefälligen Massenproduktion zu rehabilitieren. Ja, besonders etwa in seinem Chorsatz "Es stehet herrlich und prächtig für ihn" ließ das Ensemble deutlich werden, dass in dieser Musik viel Geist, feine Harmonien und Klangfarben stecken. Das Telemann-Bild des Iffeldorfer Laienchors ist gekennzeichnet von Respekt und Ehrfurcht vor dessen Werk, wobei die Auswahl der acht aufgeführten Werke mehr ihre ansteckende Musizierlust als protestantisch religiöse Strenge in den Mittelpunkt rückte. Dabei war es außerdem eine recht eindrucksvolle Demonstration, was dieser von Anne Voit-Isenberg geleitete relativ kleine, aber absolut profilierte und gesangstechnisch überzeugende Chor in allen Stimmlagen zu leisten in der Lage ist. Hoch respektabel auch die Leistung der vier Instrumentalisten. [...]

Großes vom kleinen Chor

von Reinhard Szyszka, Süddeutsche Zeitung (04.12.2017)

[...] Der kleine Chor erzeugte einen erstaunlich sonoren Klang, sang klar, sauber und durchhörbar. [...] bewunderswert, mit welchem Elan sich der winzige Chor ins Zeug legte. Bei den Stellen, wo einzelne Stimmgruppen das Sagen hatten, waren es ja nur zwei oder drei Sängerinnen oder Sänger, die mit Mut und Einsatzfreude sangen. [...] Besonders eindrucksvoll gelangen Sätze wie "Jauchzet ihr Himmel". [...]

Glücksgefühle mit Telemann

von Andreas Bretting, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (05.12.2017)

Eine stimmungsvolle Rokokokirche, viel Telemann und noch mehr stimmliche Variabilität: Das waren die Zutaten zum Adventskonzert "Eine Wunderfreud", wozu der Chor "capella vocale iffeldorf" am Samstag in die Pfarrkirche St. Vitus geladen hatte. Die zahlreich gekommenen Zuhörer wurden beglückt.
Der stets etwas in Bachs Schatten stehende Georg Philipp Telemann verdiene ein ganzes Konzert, noch dazu in einem runden Gedenkjahr, befand Anne Voit-Isenberg. Die Wilzhofener Barockmusikspezialistin hatte dazu mit den zwölf Sängerinnen und Sängern der "Capella" einen Reigen des 1767 verstorbenen Komponisten einstudiert. Der vergleichsweise kleine Chor überzeugte mit souverän eingesetzten Gestaltungsmitteln: Ab und zu rasche Stakkatozeilen, dazwischen herrlich luftig geschichtete Kanons, abgelöst von harmonisch-weichen Unisono-Gesängen. Diese waren oft noch in sich differenziert, etwa durch den solistischen Einstieg der glockenhellen Sopranstimmen oder durch den sonoren, samtigen Ausklang im Bassbariton.
Die exakte Einstudierung zeigte sich in verständig gesetzten Wellen in der Dynamik und in der präzisen Synchronizität des gefährlichen Schlusslauts "st". Bei der "capella vocale" zischelte nichts, die deutschen Texte klangen rein und durchsichtig. [...] Die feinen Modulationen der Vokalisten, teils rezitativartig mit Continuo begleitet, teils im angedeuteten Barockglanz durch Trompete, sorgten für Glücksgefühle. Sogar ohne Textblatt war jedes Wort exakt zu verstehen. "Es herrscht immer noch die Vorstellung, Telemann sei mit seiner Musik zu einfach, dabei ist seinen Vielfalt verblüffend und auch für die Sänger erstaunlich herausfordernd," meinte Anne Voit-Isenberg. [...]

Mit hohem Anspruch und feinem Humor

von Franziska Seliger, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (17.07.2017)

Am Ende siegte die Liebe. Zuvor aber mußte Orfeo ins Reich der Toten hinabsteigen und die Höllengeister bezähmen. Mit der Kraft der Musik wurden die Furien zum Mitleid bewegt, bis sie endlich den Weg zu seiner geliebten Euridice freigaben. Was folgte, ist bekannt: Orfeo schafft es nicht, Euridice aus dem Totenreich zu führen, ohne sie anzublicken. Sie stirbt erneut durch seine Schuld.
Doch bei dem Sommerkonzert, das der Chor "capella vocale iffeldorf" am Samstagabend mit Begleitung von Ellen und Heinz Hennen (Fagott, Querflöte) sowie Anne Voit-Isenberg (Cembalo) im fast voll besetzten Bürgersaal des Deichstetterhaues gab, siegten nicht Tod und Hoffnungslosigkeit. Die Liebe in Gestalt des Gottes Amor war es, die am Ende des rund einstündigen Konzertes triumphierte - mit beeindruckender Stimmgewalt der elf Sängerinnen und Sänger, drei ausdrucksstarken Instrumenten und einer sorgfältig zusammengestellten Inszenierung. Voit-Isenberg hatte dazu drei verschiedenen Werk-Fassungen von  Christoph Willibald Gluck auf Chor, Flöte, Fagott und Cembalo angepasst und für die Zuhörer eine stimmungsvolle, niveauvolle und doch eingängige Interpretation des Stoffes geschaffen. Anspruchsvoll und zugleich mit Sinn für feinsinnigen Humor war der Abend gestaltet - was dem Stoff das Schwere nahm und auch Opern-Verweigerer gefallen konnte.
Der Chor, der mit kleinen Requisiten und gesprochenen Dialogen auch szenisch wirkte, überzeugte mit Stimmkraft und Leidenschaft. Die Instrumente übersetzten Orfeos Gefühle - seine Trauer, Hoffnung, Verzweiflung und unendliche Liebe - in die Sprache der Musik und gaben ihnen Tiefe. Bis hin zu den Auftritten und Abgängen des Chores schien jedes Detail wohlüberlegt und auf eine bestimmte Wirkung bedacht. Am Ende war die Symbolik nur allzu deutlich, als sich, korrespondierend mit dem Sieg der Liebe über den Tod, der Vorhang öffnete und den Blick freigab auf sattgrüne Wiesen samt Heuwinklkapelle. "Gepriesen sei Amor!"

Eindringliche Passionsmusik - Intensives Konzerterlebnis

von Rainer Huttenloher, Iffeldorferleben (April 2017)

Am Wochenende vor Ostern ... standen gleich zwei Konzertabende auf dem Terminplan. Und beide wurden mit Bravour gemeistert!
Unter der Leitung seiner Dirigentin Anne Voit-Isenberg gastierte der Iffeldorfer Kammerchor zunächst in der evangelischen Johanneskirche in Partenkirchen, am Palmsonntag dann übernahm er das festliche Konzert zur Eröffnung des Heiligen Grabes in Iffeldorf. Als Hauptwerk kam die Lukas-Passion von Heinrich Schütz zur Aufführung. In diese Passion hatte die capella vocale iffeldorf Hans Leo Hasslers Vater-unser-Vertonung eingewoben, die in ihrer komplexen Mehrstimmigkeit Sänger wie Zuhörer gleichermaßen forderte. Da passte es gut, dass die rund 100 Besucher in St. Vitus auf einen Schlussapplaus verzichteten - sichtlich bewegt vom Gesang, der unter die Haut ging und dessen Wirkung noch verstärkt wurde durch die Kulisse des farbig strahlenden Heiligen Grabes.

Ein Konzert wie ein Gebet

von Magus Reitinger, Penzberger Merkur (13.04.2017)

Dass kein Applaus erklang am Ende des Passionskonzertes der "capella vocale iffeldorf" am Palmsonntagabend, das war der andächtigen Stimmung vor dem Heiligen Grab in Iffeldorfs Pfarrkirche St. Vitus geschuldet. Die rund 100 Besucher waren sichtlich bewegt vom Auftritt des Ensembles - der laut Leiterin Anne Voit-Isenberg weniger ein Konzert sein sollte, sondern "ein großes Gebet". [...]

Ein großes Konzert - und mehr als das

von Bernhard Küstner, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (22.03.2016)

Heinrich Schütz gilt als der wichtigste Vertreter des Frühbarocks. Mit der "Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus nach dem Evangelisten St. Lucam" schrieb er 1653 eine erste, rein vokale Passion. 1665/66 folgten dann noch die Johannes-Passion und die Matthäus-Passion. Viele Jahrzehnte vor Johann Sebastian Bachs Passionen hat Schütz gerade in der Lukas-Passion die ganze Dramatik der Leidensgeschichte Jesu musikalisch umgesetzt.
Für einen kleinen Chor wie die "capella vocale iffeldorf" ist es eine Herausforderung, ein so anspruchsvolles A-capella-Werk aufzuführen: Man kann sich nicht hinter dem Klang eines Orchesters oder der Orgelbegleitung verstecken, sich nicht auf die Intonation der Instrumente verlassen. Die gerade einmal zehn Sängerinnen und Sänger mit ihrer seit 2013 amtierenden Leiterin Anne Voit-Isenberg waren bei der Aufführung am Sonntagabend in der Iffeldorfer Pfarrkirche St. Vitus ganz auf sich allein gestellt. Um es in einem Satz zu sagen: Sie wurden dieser Aufgabe nicht nur gerecht, sondern meisterten sie mit Bravour.
Die wichtigste Rolle in seiner Lukas-Passion hat Schütz dem Evangelisten zugewiesen. Bei Peter Rottländer (Tenor) war dieser Part in besten Händen: Mit schlanker Stimme - das ist für diese Epoche werkgetreu - und klarer Artikulation schuf er die Voraussetzung für eine ausgezeichnete Aufführung. Gerd Eichler (Bass), der die Rolle des Jesus übernommen hatte, stand ihm in nichts nach. Die übrigen Soli wurden von Chorsängern übernommen, auch sie fügten sich nahtlos ein. Ergänzt von Schütz-Chorsätzen, war diese Aufführung kein Konzert im üblichen Sinne. Es war eine Demonstration, wie man auch heute die manchmal etwas spröde anmutende Musiksprache von Schütz umsetzen kann. Entscheidend aber: Es war ein meditatives Nachvollziehen des Passionsgeschehens. Die Zuhörer in der fast voll besetzten Kirche haben das so empfunden und verließen schweigend die Kirche.

Ein Sommerabend, der Romantiker schwelgen ließ

von Franziska Seliger, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (23.07.2015)

Es war ein Konzert wie gemacht für einen lauen Sommerabend. Unter dem Titel „Es schläft ein Lied in allen Dingen“ trug der Chor „capella vocale iffeldorf“ Volksliedvertonungen sowie Werke von Brahms, Schumann, Mendelssohn, Fanny Hensel und Friedrich Silcher vor. Viele Zuhörer waren in die Grundschule gekommen und lauschten den romantischen Liedern, die die Mitglieder des Chores mit kurzen Lesungen untermalten.
Feine Gedichte von Eichendorff oder Mörike sowie Passagen aus dem Briefwechsel der Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn waren nicht nur eine abwechslungsreiche Ergänzung des romantischen Themas. Vielmehr bildeten Lieder, Lyrik und Prosa ein harmonisches Ganzes, das die Zuhörer tief hineinführte in die verklärende Gefühlswelt der Romantiker mit ihrer inbrünstigen Naturverehrung.
Chorleiterin Anne Voit-Isenberg hatte die Musikstücke geschickt gewählt: Da wechselten sich Fanny Hensels kraftvolle, eher unbekannte „Gartenlieder“ mit dem bekannten Lied der „Loreley“ ab, ehe der Chor Amüsantes von Robert Schumann bot und mit Brahms in den Walzertakt wechselte. Es war also ein Abend zum Genießen – ein kleines Konzert, bei dem die Besucher nach Herzenslust in der üppigen Gefühlswelt der Romantik schwelgen und sich in eine längst vergangene Zeit hineinträumen konnten. 

Anspruchsvolles zum Ausklang der Weihnachtszeit

von Bernhard Küstner, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (3.2.2015)

Ehe der Christbaum in der Iffeldorfer Pfarrkirche St. Vitus abgeräumt wird, lud die „capella vocale iffeldorf“ am Sonntagabend zu einem Chorkonzert ein. Unter dem Titel „Lob, Preis und Ehr“ hatte Anne Isenberg, die den Chor seit Herbst 2013 leitet, ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt.
Am Anfang stand das weihnachtliche „Psallite“ von Michael Prätorius (1571-1621) aus der Sammlung „Musae sioniae“, das der Chor werkgetreu interpretierte. Hauptwerk des Abends war die „Missa O Magnum Mysterium“ des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria (1548-1611). Zwischen den Messeteilen wurden das „Deutsche Magnificat“ von Heinrich Schütz (1582-1672) und drei der acht Motetten von Johann Sebastian Bach (1685-1750) gesungen. Das Deutsche Magnificat „Meine Seele erhebt den Herrn“ stammt aus den „Zwölf geistlichen Gesängen“. Sie haben liturgischen Charakter, was in der Interpretation Isenbergs gut zum Ausdruck kam.
Die Bach-Motetten „Lobet den Herren“, „Sei Lob und Preis mit Ehren“ und insbesondere „Jesu, meine Freude“ [...] stellen hohe Anforderungen an einen Chor. [...] Anne Isenberg nimmt den Chor bei Fermaten und Schlussakkorden deutlich zurück, was [...] sich wohltuend von der gängigen Praxis vieler Chöre abhebt.
Zum Abschluss zauberte der Chor nochmals weihnachtlich-andächtige Stimmung in den Kirchenraum und die Herzen der Zuhörer: „Still, still, still, weil's Kindlein schlafen will“. Insgesamt eine gefällige Darbietung geistlicher Werke, für die die Zuhörer in der fast voll besetzten Kirche mit langem Beifall dankten. 

Wie zu Shakespeares Zeiten

capella vocale überzeugt unter neuer Leiterin

von Regina Wahl-Geiger, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (21.7.2014)

Es war weder die Nachtigall, noch die Lerche und auch nicht die quietschbunte Plastikfigur im Vogelkäfig, die trällerte. Das Singen übernahmen barfüßige, in Dirndl und Lederhose gewandete Menschen, die von einem Gambenspieler sanft begleitet wurden, und dann war da auch noch ein ganz in Schwarz mit einer feuerroten Krawatte bekleideter Mann, der auf Leitern stehend Sonette rezitierte. Wer das Ganze nun für vollkommenen Blödsinn hält, hat Unrecht, denn was am Freitagabend im Garten des Pfarrzentrums Iffeldorf geboten wurde, war eine außergewöhnliche und gelungene Veranstaltung.
Unter dem Motto „Alles nur Theater – war es die Nachtigall?“ hatte sich Anne Isenberg, Leiterin des Chors „capella vocale iffeldorf“ Gedanken zum 450. Geburtstag von William Shakespeare gemacht. Mit einer Kombination aus Liedern, ausgewählten Texten und leisen Gambenklängen erweckte der Chor gemeinsam mit dem Gambisten Helge Voit und Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski vom Münchner Residenztheater die wort- und klangreiche Kultur zur Zeit William Shakespeares zum Leben.
Der reine A-capella-Chor eignet sich hervorragend für solcherlei Experimente, und er präsentierte den rund 100 Besuchern dabei nicht nur außergewöhnliche Stimmsicherheit, sondern auch eine erfrischende Portion schauspielerisches Engagements. Profischauspieler Miguel Abrantes Ostrowski fügte sich wunderbar locker in die Iffeldorfer Kleinbühne ein und erfreute mit einer ungekünstelten Natürlichkeit. Gambist Helge Voit stimmte minutenlang vor dem Einsatz seelenruhig sein Instrument – die entspannte Atmosphäre an diesem lauen Sommerabend in Iffeldorf war deutlich spürbar.
Bei der Begrüßung war angekündigt worden, dass man singen und hören würde, „was ihr wollt“, und es hoffentlich so wäre, „wie es euch gefällt“, und man wünsche sich an diesem Abend einen „Sommernachtstraum“. Und dazu kam es auch.

Anspruchsvolle Klänge zur Passion

von Dorothe Fleege, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (17.4.2014)

In deutlichen Lettern leuchtet die Inschrift „Sein Grab wird herrlich sein“ aus dem alttestamentarischen Prophetenbuch des Jesaia inmitten Tausender geschliffener kleiner bunter Glasmosaiksteine. Katholisches Brauchtum und Liturgie respektvoll verknüpfend, baut die Pfarrgemeinde St. Vitus seit 2008 in Iffeldorf jährlich das „Heilige Grab“ wieder auf. [...] Die Iffeldorfer „capella vocale“ unter Leitung von Anne Isenberg wählte sich mit Organistin Elisabeth Rieder-Grupp zur stimmungsvollen Eröffnung ein ungewöhnliches wie musikalisch sehr anspruchsvolles Programm. Übervoll war das Kirchenschiff, im Eingang drängten sich Besucher stehend, um das erleuchtete Grab im dunklen Raum auf sich wirken zu lassen. Eingerahmt in das in seiner schlichten Mehrstimmigkeit berührende „Christe, du Lamm Gottes“ von Michael Praetorius gestaltete das ambitionierte kleine Vokalensemble kurze geistliche Vokalwerke zur Passion vornehmlich aus dem 16. Jahrhundert von Orlando di Lasso, dem Hanseatischen Kantorensohn Joachim Decker und Joachim von Burgk, dem Wegbereiter der evangelischen Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts. In anregenden Kontrast wie spannungsreiche Korrespondenz setzte Elisabeth Rieder-Grupp dazu Orgelkompositionen von Widmar Hader. Hader, 1941 im Sudetenland [...] geboren, legte seinen Orgelfragmenten Teile der „Mystischen Betrachtungen nach Sinnsprüchen aus dem Cherubinischen Wandersmann“ jenes deutschen Theologen, Arztes und Lyrikers zugrunde, der als Angelus Silesius die Barockliteratur nachhaltig prägen sollte.
Die entsprechende vorangestellte Textrezitation wurde von Chormitgliedern - solistisch wie auch sich reizvoll mehrstimmig überlagernd - übernommen. Sich in der Linienführung übereinanderschiebend, dissonant das innere und äußere der hörbaren Welt teilend, dann wieder wie ein Klagegesang – „die Sanftmut ist ein Samt“ –, der in die Stille führt, gießen sich die Orgelmeditationen in den dunklen Raum.
Es [...] gelingt den Künstlern des Abends, eine Atmosphäre dichter Konzentration zu schaffen. Sich optisch auf die Strahlkraft des beleuchteten Mosaiks, sich geistig auf die Tiefe der Texte wie auch seelisch auf die meditative Reibung und Harmonie der Musik einzulassen, gibt der Stunde einen ganz eigenen, starken Ausdruck.

Den Stern gesehen

capella vocale überzeugt unter neuer Leiterin

Das Gelbe Blatt (22.1.2014)

„Vidimus stellam – wir haben den Stern gesehen“, so hatte die Chorformation capella vocale iffeldorf ihr Konzert zum Dreikönigstag betitelt. Und was das Publikum in der vollbesetzten Iffeldorfer Pfarrkirche zu hören bekam, waren dann auch wunderschön funkelnde Sterne der a-capella-Musik. Ob es frühe mehrstimmige Motetten aus der Renaissance waren, barocke Sätze von Praetorius und Bach oder eine moderne Vertonung des „Puer natus in Bethlehem“: Die zwölf Sänger zeigten sich jeder Stilrichtung gewachsen, fanden sich nach anfänglicher Anspannung zu einem warmen und differenzierten Klang zusammen und zauberten eine überaus festliche Stimmung in die noch weihnachtlich geschmückte Kirche.
Trotz knapper Probenzeit war hier schon deutlich die Handschrift der neuen Chorleiterin Anne Isenberg erkennbar. Mit zurückhaltendem, aber präzisem Dirigat führte die studierte Musikerin und Expertin für Alte Musik, die nach mehrjähriger Tätigkeit an der Staatsoper Stuttgart seit zehn Jahren in Weilheim beheimatet ist, ihr Ensemble.
Eingerahmt von barocker Orgelmusik (einfühlsam dargeboten von Anne Isenberg) und thematisch passenden Texten zum Dreikönigsfest (Eberhard von Radetzky war ihnen ein höchst eindringlicher Rezitator), ergab sich so ein rundum stimmiges Programm, wofür das Publikum mit lang anhaltendem Applaus dankte.
Dieses Konzert machte Lust auf mehr, weshalb sich die capella vocale iffeldorf für 2014 auch einiges vorgenommen hat: Neben einem Konzert zur Eröffnung des Heiligen Grabes in Iffeldorf am Palmsonntag soll im Juli ein gemischtes, sommerlich-spritziges Programm unter dem Motto „Wie es euch gefällt“ zur Aufführung kommen. Man darf gespannt sein!