Eindringliche Passionsmusik - Intensives Konzerterlebnis

von Rainer Huttenloher, Iffeldorferleben (April 2017)

Am Wochenende vor Ostern ... standen gleich zwei Konzertabende auf dem Terminplan. Und beide wurden mit Bravour gemeistert!
Unter der Leitung seiner Dirigentin Anne Voit-Isenberg gastierte der Iffeldorfer Kammerchor zunächst in der evangelischen Johanneskirche in Partenkirchen, am Palmsonntag dann übernahm er das festliche Konzert zur Eröffnung des Heiligen Grabes in Iffeldorf. Als Hauptwerk kam die Lukas-Passion von Heinrich Schütz zur Aufführung. In diese Passion hatte die capella vocale iffeldorf Hans Leo Hasslers Vater-unser-Vertonung eingewoben, die in ihrer komplexen Mehrstimmigkeit Sänger wie Zuhörer gleichermaßen forderte. Da passte es gut, dass die rund 100 Besucher in St. Vitus auf einen Schlussapplaus verzichteten - sichtlich bewegt vom Gesang, der unter die Haut ging und dessen Wirkung noch verstärkt wurde durch die Kulisse des farbig strahlenden Heiligen Grabes.

Ein großes Konzert - und mehr als das

von Bernhard Küstner, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (22.03.2016)

Heinrich Schütz gilt als der wichtigste Vertreter des Frühbarocks. Mit der "Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus nach dem Evangelisten St. Lucam" schrieb er 1653 eine erste, rein vokale Passion. 1665/66 folgten dann noch die Johannes-Passion und die Matthäus-Passion. Viele Jahrzehnte vor Johann Sebastian Bachs Passionen hat Schütz gerade in der Lukas-Passion die ganze Dramatik der Leidensgeschichte Jesu musikalisch umgesetzt.
Für einen kleinen Chor wie die "capella vocale iffeldorf" ist es eine Herausforderung, ein so anspruchsvolles A-capella-Werk aufzuführen: Man kann sich nicht hinter dem Klang eines Orchesters oder der Orgelbegleitung verstecken, sich nicht auf die Intonation der Instrumente verlassen. Die gerade einmal zehn Sängerinnen und Sänger mit ihrer seit 2013 amtierenden Leiterin Anne Voit-Isenberg waren bei der Aufführung am Sonntagabend in der Iffeldorfer Pfarrkirche St. Vitus ganz auf sich allein gestellt. Um es in einem Satz zu sagen: Sie wurden dieser Aufgabe nicht nur gerecht, sondern meisterten sie mit Bravour.
Die wichtigste Rolle in seiner Lukas-Passion hat Schütz dem Evangelisten zugewiesen. Bei Peter Rottländer (Tenor) war dieser Part in besten Händen: Mit schlanker Stimme - das ist für diese Epoche werkgetreu - und klarer Artikulation schuf er die Voraussetzung für eine ausgezeichnete Aufführung. Gerd Eichler (Bass), der die Rolle des Jesus übernommen hatte, stand ihm in nichts nach. Die übrigen Soli wurden von Chorsängern übernommen, auch sie fügten sich nahtlos ein. Ergänzt von Schütz-Chorsätzen, war diese Aufführung kein Konzert im üblichen Sinne. Es war eine Demonstration, wie man auch heute die manchmal etwas spröde anmutende Musiksprache von Schütz umsetzen kann. Entscheidend aber: Es war ein meditatives Nachvollziehen des Passionsgeschehens. Die Zuhörer in der fast voll besetzten Kirche haben das so empfunden und verließen schweigend die Kirche.

Ein Sommerabend, der Romantiker schwelgen ließ

von Franziska Seliger, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (23.07.2015)

Es war ein Konzert wie gemacht für einen lauen Sommerabend. Unter dem Titel „Es schläft ein Lied in allen Dingen“ trug der Chor „capella vocale iffeldorf“ Volksliedvertonungen sowie Werke von Brahms, Schumann, Mendelssohn, Fanny Hensel und Friedrich Silcher vor. Viele Zuhörer waren in die Grundschule gekommen und lauschten den romantischen Liedern, die die Mitglieder des Chores mit kurzen Lesungen untermalten.
Feine Gedichte von Eichendorff oder Mörike sowie Passagen aus dem Briefwechsel der Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn waren nicht nur eine abwechslungsreiche Ergänzung des romantischen Themas. Vielmehr bildeten Lieder, Lyrik und Prosa ein harmonisches Ganzes, das die Zuhörer tief hineinführte in die verklärende Gefühlswelt der Romantiker mit ihrer inbrünstigen Naturverehrung.
Chorleiterin Anne Voit-Isenberg hatte die Musikstücke geschickt gewählt: Da wechselten sich Fanny Hensels kraftvolle, eher unbekannte „Gartenlieder“ mit dem bekannten Lied der „Loreley“ ab, ehe der Chor Amüsantes von Robert Schumann bot und mit Brahms in den Walzertakt wechselte. Es war also ein Abend zum Genießen – ein kleines Konzert, bei dem die Besucher nach Herzenslust in der üppigen Gefühlswelt der Romantik schwelgen und sich in eine längst vergangene Zeit hineinträumen konnten. 

Anspruchsvolles zum Ausklang der Weihnachtszeit

von Bernhard Küstner, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (3.2.2015)

Ehe der Christbaum in der Iffeldorfer Pfarrkirche St. Vitus abgeräumt wird, lud die „capella vocale iffeldorf“ am Sonntagabend zu einem Chorkonzert ein. Unter dem Titel „Lob, Preis und Ehr“ hatte Anne Isenberg, die den Chor seit Herbst 2013 leitet, ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt.
Am Anfang stand das weihnachtliche „Psallite“ von Michael Prätorius (1571-1621) aus der Sammlung „Musae sioniae“, das der Chor werkgetreu interpretierte. Hauptwerk des Abends war die „Missa O Magnum Mysterium“ des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria (1548-1611). Zwischen den Messeteilen wurden das „Deutsche Magnificat“ von Heinrich Schütz (1582-1672) und drei der acht Motetten von Johann Sebastian Bach (1685-1750) gesungen. Das Deutsche Magnificat „Meine Seele erhebt den Herrn“ stammt aus den „Zwölf geistlichen Gesängen“. Sie haben liturgischen Charakter, was in der Interpretation Isenbergs gut zum Ausdruck kam.
Die Bach-Motetten „Lobet den Herren“, „Sei Lob und Preis mit Ehren“ und insbesondere „Jesu, meine Freude“ [...] stellen hohe Anforderungen an einen Chor. [...] Anne Isenberg nimmt den Chor bei Fermaten und Schlussakkorden deutlich zurück, was [...] sich wohltuend von der gängigen Praxis vieler Chöre abhebt.
Zum Abschluss zauberte der Chor nochmals weihnachtlich-andächtige Stimmung in den Kirchenraum und die Herzen der Zuhörer: „Still, still, still, weil's Kindlein schlafen will“. Insgesamt eine gefällige Darbietung geistlicher Werke, für die die Zuhörer in der fast voll besetzten Kirche mit langem Beifall dankten. 

Wie zu Shakespeares Zeiten

capella vocale überzeugt unter neuer Leiterin

von Regina Wahl-Geiger, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (21.7.2014)

Es war weder die Nachtigall, noch die Lerche und auch nicht die quietschbunte Plastikfigur im Vogelkäfig, die trällerte. Das Singen übernahmen barfüßige, in Dirndl und Lederhose gewandete Menschen, die von einem Gambenspieler sanft begleitet wurden, und dann war da auch noch ein ganz in Schwarz mit einer feuerroten Krawatte bekleideter Mann, der auf Leitern stehend Sonette rezitierte. Wer das Ganze nun für vollkommenen Blödsinn hält, hat Unrecht, denn was am Freitagabend im Garten des Pfarrzentrums Iffeldorf geboten wurde, war eine außergewöhnliche und gelungene Veranstaltung.
Unter dem Motto „Alles nur Theater – war es die Nachtigall?“ hatte sich Anne Isenberg, Leiterin des Chors „capella vocale iffeldorf“ Gedanken zum 450. Geburtstag von William Shakespeare gemacht. Mit einer Kombination aus Liedern, ausgewählten Texten und leisen Gambenklängen erweckte der Chor gemeinsam mit dem Gambisten Helge Voit und Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski vom Münchner Residenztheater die wort- und klangreiche Kultur zur Zeit William Shakespeares zum Leben.
Der reine A-capella-Chor eignet sich hervorragend für solcherlei Experimente, und er präsentierte den rund 100 Besuchern dabei nicht nur außergewöhnliche Stimmsicherheit, sondern auch eine erfrischende Portion schauspielerisches Engagements. Profischauspieler Miguel Abrantes Ostrowski fügte sich wunderbar locker in die Iffeldorfer Kleinbühne ein und erfreute mit einer ungekünstelten Natürlichkeit. Gambist Helge Voit stimmte minutenlang vor dem Einsatz seelenruhig sein Instrument – die entspannte Atmosphäre an diesem lauen Sommerabend in Iffeldorf war deutlich spürbar.
Bei der Begrüßung war angekündigt worden, dass man singen und hören würde, „was ihr wollt“, und es hoffentlich so wäre, „wie es euch gefällt“, und man wünsche sich an diesem Abend einen „Sommernachtstraum“. Und dazu kam es auch.

Anspruchsvolle Klänge zur Passion

von Dorothe Fleege, Weilheimer Tagblatt/Penzberger Merkur (17.4.2014)

In deutlichen Lettern leuchtet die Inschrift „Sein Grab wird herrlich sein“ aus dem alttestamentarischen Prophetenbuch des Jesaia inmitten Tausender geschliffener kleiner bunter Glasmosaiksteine. Katholisches Brauchtum und Liturgie respektvoll verknüpfend, baut die Pfarrgemeinde St. Vitus seit 2008 in Iffeldorf jährlich das „Heilige Grab“ wieder auf. [...] Die Iffeldorfer „capella vocale“ unter Leitung von Anne Isenberg wählte sich mit Organistin Elisabeth Rieder-Grupp zur stimmungsvollen Eröffnung ein ungewöhnliches wie musikalisch sehr anspruchsvolles Programm. Übervoll war das Kirchenschiff, im Eingang drängten sich Besucher stehend, um das erleuchtete Grab im dunklen Raum auf sich wirken zu lassen. Eingerahmt in das in seiner schlichten Mehrstimmigkeit berührende „Christe, du Lamm Gottes“ von Michael Praetorius gestaltete das ambitionierte kleine Vokalensemble kurze geistliche Vokalwerke zur Passion vornehmlich aus dem 16. Jahrhundert von Orlando di Lasso, dem Hanseatischen Kantorensohn Joachim Decker und Joachim von Burgk, dem Wegbereiter der evangelischen Kirchenmusik des 17. Jahrhunderts. In anregenden Kontrast wie spannungsreiche Korrespondenz setzte Elisabeth Rieder-Grupp dazu Orgelkompositionen von Widmar Hader. Hader, 1941 im Sudetenland [...] geboren, legte seinen Orgelfragmenten Teile der „Mystischen Betrachtungen nach Sinnsprüchen aus dem Cherubinischen Wandersmann“ jenes deutschen Theologen, Arztes und Lyrikers zugrunde, der als Angelus Silesius die Barockliteratur nachhaltig prägen sollte.
Die entsprechende vorangestellte Textrezitation wurde von Chormitgliedern - solistisch wie auch sich reizvoll mehrstimmig überlagernd - übernommen. Sich in der Linienführung übereinanderschiebend, dissonant das innere und äußere der hörbaren Welt teilend, dann wieder wie ein Klagegesang – „die Sanftmut ist ein Samt“ –, der in die Stille führt, gießen sich die Orgelmeditationen in den dunklen Raum.
Es [...] gelingt den Künstlern des Abends, eine Atmosphäre dichter Konzentration zu schaffen. Sich optisch auf die Strahlkraft des beleuchteten Mosaiks, sich geistig auf die Tiefe der Texte wie auch seelisch auf die meditative Reibung und Harmonie der Musik einzulassen, gibt der Stunde einen ganz eigenen, starken Ausdruck.

Den Stern gesehen

capella vocale überzeugt unter neuer Leiterin

Das Gelbe Blatt (22.1.2014)

„Vidimus stellam – wir haben den Stern gesehen“, so hatte die Chorformation capella vocale iffeldorf ihr Konzert zum Dreikönigstag betitelt. Und was das Publikum in der vollbesetzten Iffeldorfer Pfarrkirche zu hören bekam, waren dann auch wunderschön funkelnde Sterne der a-capella-Musik. Ob es frühe mehrstimmige Motetten aus der Renaissance waren, barocke Sätze von Praetorius und Bach oder eine moderne Vertonung des „Puer natus in Bethlehem“: Die zwölf Sänger zeigten sich jeder Stilrichtung gewachsen, fanden sich nach anfänglicher Anspannung zu einem warmen und differenzierten Klang zusammen und zauberten eine überaus festliche Stimmung in die noch weihnachtlich geschmückte Kirche.
Trotz knapper Probenzeit war hier schon deutlich die Handschrift der neuen Chorleiterin Anne Isenberg erkennbar. Mit zurückhaltendem, aber präzisem Dirigat führte die studierte Musikerin und Expertin für Alte Musik, die nach mehrjähriger Tätigkeit an der Staatsoper Stuttgart seit zehn Jahren in Weilheim beheimatet ist, ihr Ensemble.
Eingerahmt von barocker Orgelmusik (einfühlsam dargeboten von Anne Isenberg) und thematisch passenden Texten zum Dreikönigsfest (Eberhard von Radetzky war ihnen ein höchst eindringlicher Rezitator), ergab sich so ein rundum stimmiges Programm, wofür das Publikum mit lang anhaltendem Applaus dankte.
Dieses Konzert machte Lust auf mehr, weshalb sich die capella vocale iffeldorf für 2014 auch einiges vorgenommen hat: Neben einem Konzert zur Eröffnung des Heiligen Grabes in Iffeldorf am Palmsonntag soll im Juli ein gemischtes, sommerlich-spritziges Programm unter dem Motto „Wie es euch gefällt“ zur Aufführung kommen. Man darf gespannt sein!